⚔️ Leseprobe: Klingen im Thronsaal
„Deine Armee war nie eine Armee, Lord“, sagt sie kühl. „Es ist nur ein Haufen Männer, deren Wille du gebrochen hast. Mehr hält sie nicht zusammen.“ Der Lord lächelt dünn. „Zeigt ihr, dass Fleisch mehr wert ist als eine Legende.“ Die beiden Riesen setzen sich gleichzeitig in Bewegung. Romi schließt für einen winzigen Moment die Augen. In ihrem Geist hört sie Jeffs Stimme: „Nutze die Trägheit ihres Stolzes. Eisen ist hart, aber spröde, wenn es auf den richtigen Winkel trifft.“
Der linke Kämpfer holt zu einem wuchtigen Schlag aus. Romi tritt einen Schritt in seinen Schlagkreis hinein. Mit einer blitzschnellen Bewegung führt sie ihr rechtes Katana gegen die Flanke seines schweren Eisenschwerts. Ein trockner, scharfer Knack hallt durch den Saal, der minderwertige Stahl zersplittert wie Glas.
Diesen Moment nutzt sie gnadenlos aus. Mit einer fließenden Drehung wirbelt sie herum und zieht das linke Katana in einer aufsteigenden Diagonale durch seinen Brustkorb. Da sie so nah am Gegner steht, bricht eine Welle aus warmem, dunklem Blut über sie herein. Schwere Spritzer treffen ihren schwarzen Kampfanzug und ziehen nasse Spuren über das Gewebe. Auch ihre Hände und die fingerlosen Handschuhe werden von der klebrigen Flüssigkeit überzogen. Der Mann bricht zusammen und ist tot, bevor er den Boden berührt.
Der zweite Kämpfer erstarrt für einen Moment, doch sein Blick fixiert nicht den fallenden Kameraden, sondern das Blut auf Romis Haut und Kleidung. Er sieht die roten Flecken in ihrem Gesicht, und ein animalisches Grollen entweicht seiner Kehle. Seine Wut steigert sich ins Unermessliche; für ihn ist es ein Sakrileg, dass das Blut eines Kriegers die Haut dieses Mädchens befleckt. Er stürzt sich mit blinder Raserei auf sie.
Romi liest seinen Zorn. Deine Wut macht dich berechenbar. In der drückenden Hitze der Thronhalle spürt sie bereits, wie das Blut auf ihren Wangen klebrig wird und zu trocknen beginnt. Es spannt auf ihrer Haut wie eine fremde Maske. Mit ihrem linken Katana fängt sie seine schwere Klinge ein und leitet die Wucht nach unten ab. Das spröde Eisen bricht mit einem hässlichen Kreischen. Noch während die Bruchstücke über den Boden rutschen, vollendet Romi die Bewegung. Ihr rechtes Katana schnellt vor. Ein einziger, hauchdünner Schnitt zieht sich über die Halsschlagader des Riesen. Die Fontäne spritzt direkt in Romis Richtung. Sie weicht nicht aus. Weitere dunkelrote Punkte sprenkeln ihr Gesicht und ihr Stirnband.
Der Mann lässt die Reste seiner Waffe fallen und sackt lautlos neben dem Thron zusammen. Romi steht nun allein vor dem Lord. Die Stille im Saal ist absolut. Das Blut auf ihrer Haut und dem Leder ihres Anzugs trocknet unter der Glut der Schlacke in den Kanälen zusehends und hinterlässt dunkle, matte Krusten. Aus der Perspektive des Lords ist sie kaum noch wiederzuerkennen. Das rote Licht fängt sich in den Blutkrusten und lässt sie wie eine Kriegerin aus der Unterwelt erscheinen. Er starrt auf ihr Gesicht, in dem die smaragdgrünen Augen hinter der roten Maske fast bösartig hell leuchten.
Romi spürt das Spannen auf ihrer Haut. Mit einer langsamen Bewegung hebt sie die linke Hand und wischt sich mit dem Handrücken über die Wange und den Mundwinkel. Doch sie verschmiert die Flüssigkeit nur weiter. Ein breiter, dunkler Streifen verläuft von ihrer Wange hinab zum Kinn und zieht eine harte Linie durch ihre sonst so ebenmäßigen Züge. Unter dem stumpfen Pony liegen ihre Augen vollkommen ruhig. Weder die hellbraunen Zöpfe auf ihren Schultern noch ihr Blick rühren sich. Sie zeigt keinerlei Abscheu. Das System bricht zusammen. Der Gedanke ist nüchtern. Der Lord sieht es. Sein Atem stockt, ein winziger Bruch in seiner Haltung, kaum sichtbar, aber eindeutig.
